Eine Verlagerung der Fertigung vom Stammsitz Steckborn an den Standort Thailand würde 40 Stellen betreffen. pd
13.01.2026 10:04
Bernina will Produktion nach Thailand verlagern
Derzeit prüft die Nähmaschinenherstellerin Bernina eine Verlagerung ihrer Produktion nach Thailand. Laut dem Unternehmen wären 40 Stellen von insgesamt 334 betroffen. Das Unternehmen steht wegen der aktuellen Wirtschaftslage in den USA und des Dollar-Franken-Kurses unter wirtschaftlichem Druck. Am Montag wurden die Mitarbeitenden informiert.
Steckborn Die traditionsreiche Nähmaschinenherstellerin Bernina International AG mit Hauptsitz in Steckborn hat die Mitarbeitenden am 12. Januar darüber informiert, dass die Geschäftsleitung mit Zustimmung des Verwaltungsrates und der Inhaberfamilie die Verlagerung der Produktion aus dem Werk Steckborn ins Werk Thailand prüft. Mit der Personalvertretung wurde ein Konsultationsverfahren zum geplanten Stellenabbau eröffnet. Dies geht aus einer Mitteilung auf der Website des Unternehmens hervor. Offenbar machen dem Traditionsunternehmen die US-Zölle und der starke Franken grosse Mühe.
Bereits 2025 sei Bernina unter starken wirtschaftlichen Druck geraten. Die Bernina Textilgruppe erwirtschaftet fast drei Viertel ihres Umsatzes in den USA (2024: 73.1 Prozent), davon rund 70 Prozent im Kerngeschäft mit Näh- und Stickmaschinen (2024: 69.6 Prozent). In Steckborn wird eine hochpreisige Nähmaschine produziert, die in den USA sehr gefragt ist. Doch für das Jahr 2026 rechnet Bernina mit weiteren geschäftlichen Risiken. In den USA seien «signifikante Preiserhöhungen durchgesetzt worden», deren Effekt auf die Nachfrage momentan schwer abzuschätzen sei.
«Wir würden diesen Schritt ausserordentlich bedauern»
Jetzt gab das Unternehmen bekannt, dass die Produktion vom Standort Steckborn nach Thailand verlagert werden soll. Seit 1990 betreibt Bernina dort ebenfalls eine Produktionsstätte. Es befinde sich im Besitz der Bernina Textilgruppe und stehe unter Schweizer Leitung. Mit der möglichen Verlagerung der Schweizer Produktion ins Werk Thailand wolle das Unternehmen seine Profitabilität stützen. CEO Kai Hillebrandt: «Wir würden diesen Schritt ausserordentlich bedauern. Gleichzeitig ist es unsere Aufgabe, den langfristigen Erfolg von Bernina – und die verbleibenden Arbeitsplätze in Steckborn – zu sichern.» Das Unternehmen könnte mit der Massnahme seine Profitabilität stützen, heisst es weiter.
Konsultationsverfahren bei Massenentlassungen
Am Standort in Steckborn sind derzeit 334 Personen für Bernina tätig, weltweit sind es 1246 Personen. «In der Schweiz ist neben der Verwaltung die komplette Entwicklungsabteilung von Bernina angesiedelt, ausserdem die Montage des Top-of-the-Line-Produktes Bernina 990 sowie eine mechanische Teilefertigung», schreibt das Unternehmen. Eine Verlagerung der Fertigung vom Stammsitz Steckborn an den Standort Thailand würde maximal 40 Personen betreffen, primär aus den Bereichen der Nähmaschinenmontage und aus Teilen der mechanischen Fertigung. Prototypenbau und das Logistikzentrum für Zubehör sollen in Steckborn bleiben.
Das Resultat des Konsultationsverfahrens will das Unternehmen am 11. Februar bekannt geben. Ein Konsultationsverfahren ist im Falle einer Massenentlassung gemäss Obligationenrecht (OR) vorgeschrieben. Als Massenentlassung gilt in Betrieben mit mehr als 300 Arbeitnehmenden die Kündigung von mindestens 30 Beschäftigten aus wirtschaftlichen, technischen oder organisatorischen Gründen.
Angeina Rabener