08.01.2026 08:30
«Man geht von Highlight zu Highlight»
Stadtpräsident Claudio Bernold blickt auf das vergangene Jahr und seine Wahl zurück und wagt einen Ausblick in das neue Jahr
Er ist erst etwas mehr als ein halbes Jahr im Amt, dennoch ist für Stadtpräsident Claudio Bernold vieles passiert im Jahr 2025. Im Interview erzählt er von seinen Herausforderungen und blickt voraus, was im Jahr 2026 auf die Stadt Frauenfeld zukommt.
Claudio Bernold, wie blicken Sie auf das Jahr 2025 zurück? Welche Hälfte war spannender, die vor der Wahl oder nach der Wahl?
Rückblickend war die Zeit nach der Wahl eindeutig spannender. Alles war neu: Ich durfte viele Menschen kennenlernen, einen vertieften Einblick in die verschiedenen Ämter erhalten und habe in kurzer Zeit sehr viel gelernt. Zudem konnte ich mich bereits aktiv in Projekte einbringen, die Frauenfeld in den kommenden Jahren beschäftigen werden.
Die Zeit vor der Wahl war ebenfalls intensiv, jedoch anders gelagert. Ich war in erster Linie stark als Schulleiter in meiner Schulanlage gefordert und habe gleichzeitig einen kurzen, aber intensiven und spannenden Wahlkampf erlebt. Beide Phasen hatten ihren Reiz – die Zeit nach der Wahl war jedoch deutlich prägender.
Welche Projekte waren besonders herausfordernd?
Herausfordernd sind grundsätzlich alle Projekte, bei denen ich nicht von Beginn weg involviert war. In solchen Fällen ist der Gestaltungsspielraum naturgemäss kleiner, und es geht darum, sich rasch einzuarbeiten und verantwortungsvoll weiterzuführen.
Besonders anspruchsvoll sind aktuell die grossen und komplexen Vorhaben: die rechtliche Verselbständigung des Alterszentrums Park, die Entwicklung der Stadtkaserne, die Überarbeitung des Personalreglements sowie die Diskussionen rund um die Verkehrssituation in Frauenfeld. Keines dieser Projekte ist bisher abgeschlossen, sie werden uns alle noch eine Zeit lang intensiv beschäftigen.
Die Zentrumslasten sind seit Herbst ein grosses Thema. Wie wichtig war es aus Sicht der Stadt Frauenfeld darauf aufmerksam zu machen?
Frauenfeld leistet als Zentrum sehr viel für die gesamte Region. Unsere Angebote werden weit über die Stadtgrenzen hinaus genutzt: die Schlossbadi, die Sportanlagen, das vielfältige kulturelle Leben ebenso wie Arbeitsplätze, eine gute Verkehrsanbindung, die Gesundheitsversorgung und die soziale Absicherung. Diese Leistungen machen Frauenfeld zu einem starken Zentrum und kommen der ganzen Region zugute.
Gerade weil wir diese Verantwortung wahrnehmen, war es sehr wichtig, auf das Thema der Zentrumslasten aufmerksam zu machen. Die finanzielle Situation der Stadt ist angespannt. Wir müssen sparen und sorgfältig haushalten, dürfen aber gleichzeitig den Steuerfuss nicht leichtfertig erhöhen – insbesondere in einer Region, in der viele Gemeinden einen tieferen Steuerfuss haben oder diesen nur minimal anheben mussten.
Wir können die Stadt nicht zu Tode sparen und gleichzeitig ein attraktives und funktionierendes Angebot aufrechterhalten. Deshalb setze ich mich für eine faire und gerechtere Verteilung der Zentrumslasten ein – im Interesse von Frauenfeld und seiner Bevölkerung, aber auch im Interesse einer starken Region.
Welches Highlight in der Stadt Frauenfeld war für Sie das Speziellste?
Es ist schwierig, ein einzelnes Highlight herauszupicken. Wenn man neu im Amt ist, geht man fast von Highlight zu Highlight, vor allem, wenn ich an all die Begegnungen mit der Frauenfelder Bevölkerung denke. Besonders einprägsam waren für mich aber die sehr gut organisierten Leichtathletik-Schweizer-meisterschaften. Ich war an beiden Tagen vor Ort und konnte mich dabei unter anderem mit Bundesrat Martin Pfister sowie mit Ruth Metzler-Arnold, Präsidentin von Swiss Olympic austauschen. Diese Kombination aus sportlicher Spitzenleistung, engagierter Organisation und persönlichen Begegnungen hat mir eindrücklich gezeigt, was Frauenfeld als Veranstaltungs- und Begegnungsort leisten kann.
Welche Themen werden für den Stadtrat und Sie im nächsten Jahr besonders wichtig?
Für den Stadtrat und mich werden im nächsten Jahr mehrere zentrale Themen prägend sein. Dazu gehört die rechtliche Verselbständigung des Alterszentrum Park, die uns politisch und organisatorisch stark beschäftigen wird. Wichtig ist zudem die – hoffentlich positive – Abstimmung zum Casino Frauenfeld, da sie für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung unserer Stadt von Bedeutung ist. Ebenfalls im Fokus steht die weitere positive Entwicklung der Stadtkaserne Frauenfeld.
Über allem steht jedoch die Frage, wie wir Frauenfeld finanziell gesund und nachhaltig in die Zukunft führen können. Diese Diskussion wird uns intensiv begleiten und ist entscheidend für den Handlungsspielraum der kommenden Jahre.
Wie wichtig ist es, dass der Gemeinderat den Kredit für die Casino-Sanierung bewilligt hat? Mit welcher Zuversicht geht die Stadt Frauenfeld in die Volksabstimmung?
Die Bewilligung des Gemeinderates ist ein starkes und wichtiges Zeichen. Sie zeigt, dass das Projekt politisch breit abgestützt ist. Gleichzeitig darf man nicht vergessen: Die deutliche Ablehnung des Verkaufs an der Urne vor rund zweieinhalb Jahren war ebenfalls eine klare Antwort der Bevölkerung. Das Casino Frauenfeld gehört zu Frauenfeld und soll im Besitz der Stadt bleiben. Entsprechend gehen wir mit Zuversicht in die Volksabstimmung. Frauenfeld soll auch in Zukunft über einen Veranstaltungsort verfügen, der gross genug ist, vielseitig genutzt werden kann und über die Stadtgrenzen hinausstrahlt. Dafür lohnt es sich, Verantwortung zu übernehmen und zu investieren.
Welche Ziele haben Sie sich persönlich für das neue Jahr gesetzt?
Wenn mit dieser Frage klassische Neujahrsvorsätze gemeint sind, dann eher keine – mit solchen habe ich in der Vergangenheit nur mässig gute Erfahrungen gemacht.
Ich habe mir aber klare persönliche Ziele für mein Amt gesetzt: Ich möchte weiterhin kraftvoll und hoch motiviert für die Stadt da sein. Dazu gehört, dass ich körperlich und mental fit bleibe, anstehende Projekte aktiv begleite und zum Erfolg führe. Wichtig ist mir auch, in der Stadt präsent zu sein und ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung zu haben. Gleichzeitig ist es mir ein grosses Anliegen, die Verwaltung in ihrer anspruchsvollen Arbeit positiv zu unterstützen und gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie ihre Aufgaben im Interesse von Frauenfeld bestmöglich erfüllen kann.
Wie haben Sie die Weihnachts-tage verbracht?
Die Weihnachtstage habe ich im Kreis meiner Familie verbracht. Gleichzeitig haben uns die Festtage auch etwas gefordert: Unser Kater musste notfallmässig ins Tierspital, und wir haben ihn über die Tage hinweg intensiv gepflegt – zum Glück ist er inzwischen wieder gesund.
Daneben konnte ich die ruhigere Zeit nutzen, um zu lesen und Sport zu treiben. Selbstverständlich boten die Weihnachtstage auch die Gelegenheit, einige Akten vertieft zu studieren und Themen in Ruhe zu reflektieren. Diese Mischung aus Familie, Zeit mit Freunden, Erholung und Vorbereitung auf das neue Jahr hat mir gutgetan.
Interview: Nico Wrzeszcz